Kommentar: Kükentötung und staatliches Label

Eintrag von Tierheim am 26.01.17 um 0:00 Uhr •

Themenschwerpunkte  von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt auf seinem heutigen Rundgang  über die Internationale Grüne Woche in Berlin sind die Forschung zur  Geschlechtsbestimmung im Ei und die Präsentation des staatlichen Tierwohllabels.  Dazu kommentiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen  Tierschutzbundes:
 
Zur  Geschlechterbestimmung im Ei:
„Ja, es ist gut und  richtig, dass der Kükenmord beendet wird. Es ist aber noch kein Jubeltag für die  Hühner. Denn trotz dieser technischen Lösung bleibt weiter die Systemfrage: Es  bleibt ja weiter bei einer Hühnerzucht und -haltung, die auf  Leistungsmaximierung ausgerichtet ist. Auch erwarten wir nun vom Bundesminister  ein klares Datum für das gesetzliche Verbot der Kükentötung. Er hatte  versprochen, zu handeln wenn die Technik da ist und er hat das Jahr 2017  genannt. Nun präsentiert er die Lösung, es gibt keine Ausrede mehr. Es darf auch  nicht riskiert werden, dass noch Zeit verloren geht wegen des Endes der  Legislatur und einer neuen Regierungsbildung. Zeit, die für Millionen männliche  Küken den Tod durch Vergasen bedeutet. Falls der Bundesminister zögert, erwarten  wir von den Bundesländern Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen, ihre  Erlasse sofort umzusetzen. Denn auch das Urteil, mit dem der NRW-Verbotserlass  vom Gericht einkassiert wurde, deckt das ab. Das Kernargument des Gerichts war,  dass es keine wirtschaftliche Alternative zu der bisherigen Tötungspraxis gab:  Auch das ist nun erledigt. Und dann gehen wir an die Systemfrage. Denn das  In-ovo–Geschlechtserkennungsverfahren mag für den Bundesminister ein großer  Schritt sein, aber es bleibt ein kleiner angesichts der systemimmanenten  Tierschutzfragen, die immer noch bleiben. In Deutschland werden jährlich circa  45 Millionen männliche Eintagsküken getötet, weil sie aufgrund der immer  spezialisierteren Zucht kein Fleisch ansetzen, aber als männliche Tiere auch  keine Eier legen. Der Deutsche Tierschutzbund kämpft seit Jahren gegen diese  tierschutzwidrige Praxis.“
 
Zum staatlichen  Tierwohllabel:
„Wir haben  Bundesminister Christian Schmidt unsere grundsätzliche Unterstützung bei der  Ausgestaltung des geplanten staatlichen Tierwohllabels zugesagt. Wir sind froh,  dass der Bundesminister sich nun auf die Zweistufigkeit konzentriert. Das ist  ein konsequente Entscheidung, weil das die gute Chance bietet, ein glaubwürdiges  Label mit dem notwendigen Abstand zum Gesetz zu gestalten. 
Unser zweistufiges  Tierschutzlabel sehen wir bei dem nun anstehenden Detailprozess als Blaupause.  Die Ausgestaltung der Kriterien muss zeitnah erfolgen, auch da wissen wir um die  Zusage des Bundesministers, rasch für alle Beteiligten, besonders für die  interessierten Landwirte, Klarheit zu schaffen.
Es gilt jedoch zu  betonen: Ein Label ist ein wichtiger Schritt, aber es ist eben nur ein Schritt.  Denn neben den Landwirten, die nun freiwillig für die Tiere den Label-Weg gehen,  müssen wir auch für die Millionen Tiere, die auf gesetzlicher Basis gehalten  werden, Verbesserungen schaffen. Wir werden weiterhin auf dringende  gesetzgeberische Verbesserungen drängen. Dabei nenne ich beispielhaft das Verbot  der millionenfachen Amputationen am Tier oder auch einen klareren Rahmen für die  Zucht, damit zukünftig nicht allein Leistungsmaximierung im Mittelpunkt steht.  Und es gilt die Strukturfragen mit Einführung des Labels ebenso zu klären:  Welche Stallsysteme werden denn zukünftig noch erlaubt sein? Das ist auch  wichtig, damit die Landwirte, die ein Label anstreben, dann mit ihren  Investitionen nicht in die Irre geführt werden.
Daher begrüßen wir,  dass das BMEL mit der neuen Stabstelle auch den Weg zu einer nationalen  Nutztierstrategie geht. Wichtig ist es auch, das Sie, Herr Minister, möglichst  rasch klären, welche Fördersummen für Investitionen in Haltungssysteme  bereitstehen, für die absehbar aufwändigen Investitionen auf Seiten der  Landwirte.
Sehr geehrter Herr  Minister, da liegt noch eine Wegstrecke vor uns, die mit allen Beteiligten nicht  nur durch das Werfen von Wattebäuschchen beantwortet werden kann. Wir sind aber  auch keine Bauernfresser. Unser Label haben wir mit der Prämisse gestaltet, den  Landwirt dort abzuholen, wo er steht. Im Interesse der Tiere und im Interesse  der veränderungsbereiten Landwirte werden wir den Diskurs konsequent, aber immer  auch konstruktiv-lösungsorientiert und ambitioniert  führen.“
 

Mit freundlichen  Grüßen
Presseabteilung
Deutscher  Tierschutzbund e.V.
In der Raste  10
D-53129  Bonn
Tel:  +49-(0)228-6049624
Fax:  +49-(0)228-6049641
 
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