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Kommentar - nationale Nutztierstrategie

Eintrag von Tierheim am 04.07.17 um 0:00 Uhr •

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat heute seine nationale Nutztierstrategie öffentlich gemacht. Dazu kommentiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes:
 
„Wir sind froh, dass unsere langjährige Forderung nach einer nationalen Strategie, wie die Zukunft der landwirtschaftlichen Tierhaltung mit mehr Beachtung des Tierschutzes gestaltet wird, endlich aufgenommen wird. Aber wer diese in den letzten Sitzungstagen, ja Sitzungsstunden des Deutschen Bundestages vor der Bundestagswahl vorstellt und so die Chance auf eine Gesetzesinitiative verstreichen lässt, der setzt sich dem Vorwurf aus, es nicht ernsthaft zu wollen, sondern nur für den Wahlkampf gerüstet zu sein.
 
Aus Tierschutzsicht gibt es dringenden Handlungsbedarf in den Ställen und die Gesellschaft erwartet einen besseren Umgang mit den Tieren. Es wird Zeit, dass endlich wirklich alle Fördergelder auf das Ziel „mehr Tierschutz“ ausgerichtet werden, denn die vielen umstellungswilligen Landwirte brauchen diese Planungssicherheit. Es mag ja sein, dass sich der Bundesminister mit 130 Millionen Fördersummen für Forschung und Innovation rühmt, aber für die Zukunft werden erheblich größere Summen benötigt, um die Landwirte bei der Umstellung auf tiergerechtere und innovative Haltungsverfahren zu unterstützen. Dazu muss der Bundesminister eine konkrete Antwort liefern.
 
Es ist auch wichtig und richtig, die Maßnahmen des Bundes, der Länder und der Kommunen auf das gemeinsame Ziel auszurichten. Es bleibt aber scharfe Kritik: Der Bundesminister hat viel zu spät, wider besseren Wissens mit diesen strategischen Planungen begonnen. Das hat zur Folge, dass eben alles zu unkonkret bleibt, besonders bei Zeitachse und Fördersummen, und das Thema nun dem Wahlkampf ausgeliefert ist. Es gibt genügend Expertise und Beispiele für direkt umsetzbare Tierschutzmaßnahmen, wie die Ergebnisse der Tierschutzpläne der Länder, im Besonderen der Tierschutzplan Niedersachsen, zeigen, aber auch das Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes.
 
Es ist sicherlich hilfreich für den Wahlkampf, die eigenen Leistungen zu rühmen. Aber das Getane reicht nicht, für die Zukunft braucht es viel mehr Mut.
 
Unsere Hoffnung ruht, wie beim staatlichen Tierwohllabel, jetzt darauf, dass die neu gewählte Bundesregierung sich unverzüglich des Themas annimmt und es nicht wieder zeitlich verschleppt wird. Wir brauchen eine nationale Nutztierstrategie. Daran halten wir fest und mit der Vorlage des Bundesministers kommen wir der Umsetzung näher, wenn auch Chancen in der Vergangenheit verspielt wurden, schon weiter vorangekommen zu sein.“
 

Mit freundlichen Grüßen
Presseabteilung
Deutscher Tierschutzbund e.V.
In der Raste 10
D-53129 Bonn
Tel: +49-(0)228-6049624
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Mehr als 100.000 Menschen unterstützen die Forderung des Deutschen Tierschutzbundes nach einer bundesweiten Katzenschutzverordnung. Der Verband hatte die Stimmen im Rahmen seiner Katzenschutz-Kampagne „Die Straße ist grausam. Kastration harmlos.“ gesammelt. Die 100.000 Stimmen zur Forderung „Katzenschutzverordnung - Jetzt!“ konnte der Verband gestern im Rahmen seines Parlamentarischen Tierschutzfrühstücks in Berlin an die Schirmherrinnen des Parlamentskreises Tierschutz übergeben.

Die Schirmherrinnen des Parlamentskreises Tierschutz, die Bundestagsabgeordneten Dagmar G. Wöhrl (CDU/CSU), Christina Jantz-Herrmann (SPD), Birgit Menz (Die Linke) und Nicole Maisch (Bündnis 90 / Die Grünen), kündigten auf dem Parlamentarischen Tierschutzfrühstück an, den Parlamentskreis auch in der nächsten Legislaturperiode weiterzuführen. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, nutzte die Ankündigung, um den Schirmherrinnen das Thema Katzenschutzverordnung mit auf den Weg zu geben: „Nur mit einem bundesweiten Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungsgebot für Freigängerkatzen aus Privathaushalten kann es gelingen, das Problem der rund zwei Millionen Straßenkatzen dauerhaft in den Griff zu bekommen. Die Kastration ist die einzige nachhaltige Methode, um das Leid der Tiere zu minimieren. Hierzu müssen Politik und Katzenhalter stärker in die Pflicht genommen werden.“ Der Parlamentskreis Tierschutz tauscht sich fraktionsübergreifend zu Tierschutzfragen aus, um daraus gegebenenfalls parlamentarische Initiativen zu entwickeln.

Schon jetzt appelliert der Deutsche Tierschutzbund auch an alle Katzenbesitzer, ihre Tiere – egal ob Kater oder weibliche Katze – kastrieren, kennzeichnen und registrieren zu lassen und somit einen praktischen Beitrag zum Tierschutz zu leisten.

Hintergrund: Kastration kann Leid der Straßenkatzen minimieren

Straßenkatzen stammen ursprünglich von unkastrierten Freigängern aus Privathaushalten oder ausgesetzten Tieren ab. Als domestizierte Heimtiere sind sie auf menschliche Zuwendung angewiesen. Viele der Straßentiere leiden unter Krankheiten, Parasiten sowie Mangel- oder Unterernährung. Eine nachhaltige und tierschutzgerechte Methode, um ihre Zahl in den Griff zu bekommen und das Leid zu minimieren, ist die Kastration – ein Routineeingriff. Tierschutzvereine fangen die Straßenkatzen dazu ein und lassen sie nach einer Erholungszeit nach der Kastration in ihrem Revier wieder frei. Die Tiere werden zudem gekennzeichnet, registriert und gegen eventuell bestehende Krankheiten und Parasiten behandelt.

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Bildunterschrift: Mit der Kampagne „Die Straße ist grausam. Kastration harmlos.“ macht der Deutsche Tierschutzbund auf die Wichtigkeit der Katzenkastration aufmerksam. 
Copyright: Deutscher Tierschutzbund e.V.
Bildunterschrift: Übergabe der 200.000 Stimmen für eine Katzenschutzverordnung. Von links nach rechts: Nicole Maisch (Bündnis 90 / Die Grünen), Birgit Menz (Die Linke), Thomas Schröder (Deutscher Tierschutzbund), Christina Jantz-Herrmann (SPD) und Dagmar G. Wöhrl (CDU/CSU) 
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Tierhalter sollten während der Hitze ihre Tiere stets im Blick behalten. Keinesfalls dürfen Hunde und andere Tiere alleine im Auto gelassen werden. Ein geöffnetes Schiebedach oder Fenster sorgt in keinem Fall für genügend Abkühlung. Selbst innerhalb weniger Minuten kann das Fahrzeug zur tödlichen Falle werden. Auch bei bewölktem oder schwülem Wetter ohne direkte Sonneneinstrahlung steigt die Temperatur im Inneren rasch auf 50 Grad und mehr an. Wenn die Sonne wandert, steht auch das im Schatten abgestellte Fahrzeug nach kurzer Zeit wieder in der Sonne. Die Folgen der für das Tier unerträglichen Temperaturen sind Überhitzung mit Übelkeit und Kreislaufproblemen, die im schlimmsten Fall zum Tod führen. Wer bei Hitze auf ein im Auto zurückgelassenes Tier aufmerksam wird, sollte umgehend die Polizei oder Feuerwehr verständigen.
 
„Immer wieder werden Hunde auf Parkplätzen im Auto zurück gelassen und geraten in Todesgefahr, weil die Besitzer, wie sie sagen nur mal kurz beim Einkaufen sind. Leider werden viele Tiere nicht mehr rechtzeitig befreit und sterben einen elendigen Tod.“ Berichtet die Präsidentin des Landesverbandes. „Gerade im Sommer beschäftigt sich unsere Geschäftsstelle ständig mit solchen Fällen. Manchmal haben die Tiere noch Glück im Unglück und werden von einem beherzten Tierfreund noch rechtzeitig aus dem Fahrzeug befreit, oft aber eben leider nicht. Ich persönlich würde  jede Autoscheiben kaputt schlagen in dem ein Tier durch Hitze in Gefahr ist, um es zu befreien!“ Fügt Brühl noch hinzu.
 
Auch im Käfig oder im Außengehege lebende Tiere dürfen nicht schutzlos der Sonne ausgesetzt werden. Auch hier gilt: Immer prüfen, ob das Gehege sich den ganzen Tag über im Schatten befindet. Zusätzlich können schattige Häuschen, kühle Steinplatten oder feuchte Handtücher, die über das Gehege gelegt werden, helfen. Da bei Hitze viel Wasser verdunstet und die Tiere mehr trinken, sollte man dieses regelmäßig kontrollieren. Kaninchen, die die Möglichkeit zum buddeln haben, können sich in den entstandenen Mulden abkühlen; manche Ratten lieben ein Wasserbad in einer flachen Schale.
 
Warnsignale für einen drohenden tödlichen Hitzschlag sind: Starkes Hecheln mit teilweise gestrecktem Hals, ein glasiger Blick und eine tiefrote Zunge. Das sind Anzeichen dafür, dass dem Tier die Hitze bereits viel zu sehr zusetzt. Außerdem sind Erbrechen, Gleichgewichtsstörungen und schließlich Bewusstlosigkeit mögliche Symptome für einen Hitzeschlag, der zum Tod führen kann. Wenn entsprechende Anzeichen auftreten, ist dem Tier durch vorsichtige Abkühlung mittels feuchter Tücher so schnell wie möglich zu helfen und ein Tierarzt aufzusuchen.
 
 
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Pressemeldung 07.06.2017 - Kupiertourismus bei Dobermännern

Eintrag von Tierheim am 08.06.17 um 0:00 Uhr •

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Deutscher Tierschutzbund stellt Strafanzeige gegen Züchterin
 
Der Deutsche Tierschutzbund hat Strafanzeige gegen eine Züchterin gestellt, die kupierte Dobermänner zum Verkauf bietet. Während das Kupieren selbst in Deutschland verboten ist, sind Verkauf und Haltung der kupierten Tiere grundsätzlich legal. Das Kupierverbot umgehen Züchter regelmäßig, indem sie einen Teil von Rute und Schlappohren im Ausland amputieren lassen – ein regelrechter Kupiertourismus. Der Deutsche Tierschutzbund beruft sich darauf, dass die Hunde aber auch nach der OP, beim Rücktransport nach Deutschland, noch Schmerzen erleiden – ohne dass der laut Tierschutzgesetz vorgeschriebene „vernünftige Grund“ gegeben ist.
 
„Wenn Teile von Ohren oder Schwanz weggeschnitten werden, ist dies für die Tiere mit erheblichen Leiden verbunden – auch nach der OP hält der Amputationsschmerz noch mehrere Wochen an“, erklärt Andrea Furler-Mihali, Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. „Wer den Schmerz für die Hunde vorsätzlich herbeiführt, verstößt nicht nur gegen das Tierschutzgesetz, sondern nimmt auch billigend das Leid der Tiere in Kauf. Dass unkupierte Dobermänner angeblich verstärkt zu Ohrentzündungen neigen sollen, ist eine reine Schutzbehauptung und tiermedizinisch nicht nachgewiesen.“
 
Für das Kupieren der natürlichen Schlappohren des Dobermanns wird eine Schablone angelegt und überstehende Teile mit einem Skalpell abgeschnitten, sodass nur ein Drittel des Ohres bestehen bleibt. Dabei werden mehrere Adern und Nervenstränge durchtrennt. Bei der Rute, die meist auf wenige Zentimeter gekürzt wird, wird die Haut zirkulär eingeschnitten, zurückgezogen und die Rute zwischen zwei Wirbeln durchtrennt. Neben den Schmerzen hat die Amputation auch Auswirkungen auf das Verhalten: Untersuchungen zeigen, dass Hunde in ihrem Ausdrucksverhalten stark eingeschränkt sind, wenn die Signalwirkung von Schwanz und Ohren fehlt.
 
Kupierverbot wird oft umgangen
Das Tierschutzgesetz verbietet in Deutschland seit mehr als 20 Jahren, Körperteile von Tieren, wie Rute oder Ohren, vollständig oder teilweise zu amputieren. Züchter oder Besitzer lassen den Eingriff daher oft im Ausland durchführen - in Osteuropa, aber auch in Italien, Österreich, Frankreich oder Belgien. In seiner Strafanzeige gegen eine Züchterin aus Thüringen stützt sich der Deutsche Tierschutzbund darauf, dass laut dem Tierschutzgesetz keinem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden ohne vernünftigen Grund zugefügt werden dürfen, die Tiere jedoch auch bei ihrer Rückkehr nach Deutschland noch unter dem Eingriff leiden. Bereits zuvor hatten Gerichte aus diesem Grund Züchter wegen Tierquälerei verurteilt.
 
 
Bildmaterial Bildunterschrift: Dobermann mit natürlichen Schlappohren, aber mit kupierter Rute
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Gesetz zur Schlachtung trächtiger Tiere und zu Pelzfarmen

Eintrag von Tierheim am 03.06.17 um 0:00 Uhr •

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  • Gesetzentwurf passiert Bundesrat
  • Deutscher Tierschutzbund erkennt ersten Schritt, mahnt aber zur Nachbesserung
Ein Verbot der Schlachtung trächtiger Tiere im letzten Trächtigkeitsdrittel wird kommen; ebenso sollen Pelztierhaltungen mit Übergangsfrist nur erlaubt werden, wenn sie bestimmte Haltungsvorgaben für die Tiere beachten. Für einen entsprechenden Gesetzentwurf der Großen Koalition hat der Bundesrat heute den Weg frei gemacht. Der Agrarausschuss des Bundesrates hatte noch die Anrufung des Vermittlungsausschusses empfohlen. Der Empfehlung ist der Bundesrat in seiner heutigen Sitzung jedoch nicht gefolgt. Der Deutsche Tierschutzbund sieht notwendigen Nachbesserungsbedarf, erkennt aber an, dass die gesetzlichen Regelungen zumindest einen Fortschritt im Tierschutz bedeuten.
 
„Der Gesetzentwurf sowohl bei den trächtigen Tieren als auch beim halbherzigen Pelztierhaltungsverbot ist kein großer Wurf – dafür gibt es zu viele Ausnahmen bzw. Hintertüren. Aber er ist ein Schritt in die richtige Richtung und daher zu begrüßen“, kommentiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Klar muss aber auch sein: Nach der Bundestagswahl muss sich die neue Bundesregierung für ein striktes Pelztierhaltungsverbot und ein umfassenderes Verbot der Schlachtung trächtiger Tiere stark machen.“
 
Verbot der Schlachtung trächtiger Tiere - Ziegen und Schafe ausgenommen
Grundsätzlich ist es aus Tierschutzsicht gut und wichtig, eine gesetzliche Regelung zur Schlachtung trächtiger Tiere zu treffen. Das zukünftige Verbot, Tiere im letzten Drittel der Trächtigkeit zur Schlachtung abzugeben, nimmt jedoch Schafe und Ziegen aus, da die Trächtigkeitsuntersuchung bei diesen Tieren derzeit schwieriger ist als bei Rindern. Aus Sicht der Tierschützer kann dies jedoch kein Grund sein, diese Tierarten von der Regelung auszunehmen. Vielmehr müssen Möglichkeiten für verlässliche Trächtigkeitsuntersuchungen auch bei diesen Tierarten geschaffen werden. Kritikwürdig ist zudem, dass trächtige Tiere im Fall einer Tierseuche oder bei tierärztlicher Indikation doch geschlachtet werden dürfen. Aus Tierschutzsicht darf es diese Ausnahmeregelungen nicht geben, denn bei einer Schlachtung erstickt das Ungeborene im Mutterleib. Sobald die Tötung eines trächtigen Tieres vorgesehen ist, sollte diese mittels Euthanasie erfolgen, also mittels eines geeigneten Medikamentes, das über die Plazentaschranke hinweg direkt auch auf den Fötus wirkt. Nur so kann eine tierschutzgerechte, schonende, schnelle und stressarme Tötung von Muttertier und Ungeborenem sichergestellt werden.
 
Pelztierhaltung wird auslaufen, bleibt aber möglich
Bei der Pelztierhaltung kritisiert der Deutsche Tierschutzbund, dass kein generelles Verbot ausgesprochen wurde. Das neue Gesetz zur Pelztierhaltung in Deutschland schreibt nun lediglich die Haltungsbedingungen gesetzlich fest, die eigentlich schon seit langem in einer Verordnung, der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, verpflichtend festgehalten waren. Gegen die Umsetzung der Vorgaben der Verordnung hatten die Farmen in Deutschland jedoch geklagt und sich damit der Pflicht zur Nachbesserung entzogen. Das Hauptargument der Farmbetreiber, wonach die Farmen dann nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden könnten, wurde letztlich sogar vom Oberverwaltungsgericht Schleswig bestätigt. Laut Gericht sei für eine solche Einschränkung der Berufsausübung eine Verordnung nicht ausreichend; stattdessen bräuchte es ein Gesetz, dass durch das Parlament zu erlassen sei. Dies wurde mit dem Gesetzentwurf nun nachgeholt. Dass die Vorschriften damit gesetzlich festgehalten werden, ist daher zumindest ein kleiner Erfolg für den Tierschutz. Denn über kurz oder lang werden sie hoffentlich dazu führen, dass die verbliebenen sechs deutschen Nerzfarmen schließen, weil der Betrieb mit den verbesserten Haltungsvorgaben nicht rentabel ist. Dennoch könnten Pelzhalter zumindest theoretisch in Zukunft neue Farmen eröffnen, solange sie die Haltungsbedingungen erfüllen. Und das, obwohl der Bundesrat bereits 2015 in einem Beschluss festgehalten hatte, dass die Haltung in Gefangenschaft und die Tötung von Pelztieren kein vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes ist.
 
Bildmaterial Bildunterschrift: Viele ungeborene Tiere werden als Schlachtabfall entsorgt, wie der Deutsche Tierschutzbund mit diesem Motiv deutlich macht. Copyright: Deutscher Tierschutzbund e.V.
Bildunterschrift: Nerz im Käfig Copyright: Nettverk for dyrs frihet 

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Kommentar - Lokalanästhesie

Eintrag von Tierheim am 24.05.17 um 0:00 Uhr •

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat sich als Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration für die Möglichkeit der Lokalanästhesie ausgesprochen. Dazu kommentiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes:
 
„Mit der Ebermast, der Impfung gegen Ebergeruch und der Kastration unter Vollnarkose haben wir drei Alternativen, die bereits praxistauglich und vor allem tierschutzgerecht sind. Dass sich Bundesminister Schmidt nun hinter die Branche stellt, die Lokalanästhesie befürwortet und sie – laut Medienberichten – „mit aller Kraft“ umsetzen will, ist aus unserer Sicht unverständlich. Die Methode ist aus Tierschutzsicht eindeutig abzulehnen. Zahlreiche Studien zeigen, dass die Injektion von Lokalanästhetika einen zusätzlichen Stress- und Schmerzfaktor vor der Kastration darstellt und die Betäubung ungenügend ist, um den Kastrationsschmerz vollständig auszuschalten. Damit wäre diese Methode – ebenso wie die betäubungslose Kastration – ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Doch wieder scheint es, dass eine möglichst kostengünstige Alternative Mittel der Wahl sein soll – Wirtschaftlichkeit geht vor Tierschutz. Die betäubungslose Ferkelkastration ist ab 2019 verboten – eine weichgespülte „Lösung“ wird es jedoch kaum besser machen. Stattdessen sollte der Minister besser die schnellstmögliche Umsetzung der vorhandenen drei Alternativen stärken und die Landwirte mit tierschutzorientierten Fördergeldern unterstützen.“
 

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