Das spanische Verfassungsgericht hat gestern das Stierkampfverbot in Katalonien für verfassungswidrig erklärt. Das Gesetz, das vor sechs Jahren beschlossen wurde, ist damit ab sofort wirkungslos. Der Deutsche Tierschutzbund zeigt sich enttäuscht und kritisiert die Entscheidung des Gerichts scharf. Ein Lichtblick: Katalonien hat sich dafür ausgesprochen, Wege zu finden die Stierkämpfe auch weiterhin nicht stattfinden zu lassen.

„Das Urteil ist ein herber Rückschlag für den Tierschutz in der EU und für Katalonien, dessen Bevölkerung selbst ein Ende der blutigen Stierkämpfe durchgesetzt hatte“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Die Vermutung liegt nahe, dass es bei der Entscheidung weniger um das Stierkampfverbot als solches geht, sondern vielmehr um einen Machtkampf, der zwischen Spanien und Katalonien ausgetragen wird – auf Kosten der Tiere. Anstatt ein bestehendes Verbot in Katalonien zu kippen, sollte das spanische Parlament dieses zum Vorbild nehmen und ein einheitliches Stierkampfverbot in ganz Spanien einführen.“

Dem 2011 in Kraft getretenen Stierkampfverbot in Katalonien war ein Volksbegehren vorausgegangen, das Tierschützer zwei Jahre vorher mit 180.000 Unterschriften einleiten konnten. 2013 wurde der Stierkampf in ganz Spanien als „immaterielles“ Kulturgut erklärt und unterlag seit dem der ausschließlichen Zuständigkeit des Staates. Diese Entscheidung sollte zunächst keine Auswirkungen auf das Stierkampfverbot von Katalonien haben. Das spanische Gericht erklärte die damalige Abstimmung des katalonischen Parlamentes aus dem Jahre 2010 für das Stierkampfverbot nun aber als verfassungswidrig. Katalonien habe an sich ein solches Verbot gar nicht aussprechen dürfen, es dürfe den Stierkampf lediglich „regulieren“, heißt es.

Der Deutsche Tierschutzbund setzt sich seit vielen Jahren, gemeinsam mit seinem europäischen Dachverband, der Eurogroup for Animals, für den Verzicht auf Stierkämpfe in Spanien ein. Auch unterstützt er die Organisation „La Tortura No Es Cultura“ in ihrer diesjährigen Kampagne gegen den Stierkampf. „Dass Stierkämpfe in Spanien unter dem Deckmantel der kulturellen Tradition stattfinden, ist beschämend“, sagt Schröder. „Wer diesen Leidenskampf als fröhliches und traditionelles Spektakel feiert, verschließt die Augen vor dem grausamen Umgang mit den Tieren.“ Allein in Spanien lassen dabei jedes Jahr etwa 30.000 Stiere ihr Leben. Dabei steht die Mehrheit der spanischen Bevölkerung dem Stierkampf ablehnend gegenüber: Laut Umfragen zählen nur circa 14 Prozent zu seinen Befürwortern. Die Tierschützer hoffen, dass Katalonien trotz aufgehobenem Verbot andere Maßnahmen ergreift, Stierkämpfe zu verhindern.

Mehr Informationen zum Stierkampf: www.tierschutzbund.de/stierkampf 


Mit freundlichen Grüßen
Presseabteilung
Deutscher Tierschutzbund e.V.
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