Der leise Tod

Eintrag von Tierheim am 12.03.19 um 16:48 Uhr •

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Ein Kommentar von Martina Gehret, Dipl. Ing. Wald- und Forstwirtschaft Bild

Leiser Tod

 

Mähroboter und Zierrasen statt Igel und Blumenwiese

 

Über Geschmack lässt sich bekanntlich trefflich streiten. So auch bei der Rasennutzung. Trotzdem sollten alle Gartenbesitzer zumindest einsehen, dass Mähroboter eine Gefahr für Mensch und Tier sind. Ein Kommentar der LBV-Igelexpertin Martina Gehret.

 

Grünflächen im Garten sollen viele Wünsche erfüllen. Während der Fan des englischen Rasens seinem Ideal hinterherjagt, denkt der Naturliebhaber an eine Blumenwiese für Schmetterlinge und Bienen. Die meisten Gartenbesitzer entscheiden sich jedoch schlicht für die Rasenmischung „Gebrauchsrasen“, die strapazierfähig ist und überwiegend aus Weidel-, Rispen- und Schwingelgräsern besteht. Aber egal für welchen Typ man sich letztendlich entscheidet, Pflege brauchen sie alle.

Meine zwei kleinen Rasenflächen beispielsweise müssen fußballtauglich sein. Abseits davon aber herrscht ein wunderbar unordentliches, blühendes und verblühtes Chaos in meinem Naturgarten. Der Garten meines Nachbarn hingegen scheint nur aus Rasenfläche zu bestehen. Zugegeben, er ist perfekt gepflegt. Grün, saftig, mit einer akkurat gestutzten Länge. Gepflegt wird er nämlich von einem leisen, dauersurrenden Mähroboter. Das sind automatisierte Gartenhelfer, die nur in einem abgesteckten Bereich mähen und zum Aufladen selbstständig zur eigenen Ladestation fahren. Das wöchentliche, zeitfressende Rasenmähen entfällt somit komplett.

Aber einen Haken gibt es: In der Gebrauchsanweisung findet sich der Hinweis, dass Mähroboter nicht unbeaufsichtigt arbeiten dürfen, wenn Kinder oder Haustiere in der Nähe sind. Kein Problem für meinen Nachbarn. Seine Kinder spielen nämlich jetzt bei mir. Seine Igel, Bienen und Schmetterlinge sind auch zu uns übergesiedelt. Die einzigen Tiere, die sich noch gerne auf seinem kurz gehalten Rasen aufhalten, sind Amseln und Singdrosseln, weil sie nun leichter einen Regenwurm aus dem Boden ziehen können.

 

Mähroboter für mehr Freizeit

Die meisten Menschen schaff en sich einen Rasenroboter an, weil sie lieber den Garten genießen möchten, statt ihn regelmäßig zu mähen. Alle wollen frei sein und Zeit sparen. Aus diesem Grund setzen die Gartenbesitzer auf große monotone Rasenflächen ohne störende Beete oder Streuobst. Ganz hip sind momentan asiatisch anmutende Gärten mit Steinen und Wasserelementen, die dann von einem Roboter umrundet werden. Dazu kommt noch die automatische Bewässerungsanlage, damit auch alles schön grün bleibt.

 

 

Lassen Sie Ihren Mähroboter nicht

unbeaufsichtigt

Wirft man einen Blick in manche fremden Gärten, dann ist es schon erstaunlich, was man alles an Gerätschaften braucht, um sich „freier“ zu fühlen. Es scheint, dass hier ein vermeintliches Mehr an Freizeit mit einem Mehr an Sinnlosigkeiten erkauft wird.

 

Igel-Jagdgebiet Roboterrasen

Aus Sicht des Naturschutzes sind Mähroboter keine gute Erfindung. Die Artenvielfalt auf einem gewöhnlichen Rasen ist sowieso schon gering. Auf einem „Roboterrasen“ ist sie praktisch nicht mehr existent. Auf den grünen Teppichen gibt es keine Blüten für Insekten und in der Folge auch keine Samen für Vögel. Als Jagdfläche für den Igel sind die „Roboterrasen“ jedoch nicht ganz uninteressant. Regenwürmer lassen sich gut erbeuten und die Igelnase bohrt sich gerne in die weiche Erde, um dort ein paar leckere Engerlinge aufzuspüren. Gefährlich wird es für die Tiere, wenn die Mähroboter auch nachts arbeiten, denn dann gehen die Igel auf Nahrungssuche. Die meisten Roboter erkennen weder Igel noch Blindschleichen, Kröten oder Frösche als Hindernis, sie werden schwer verletzt oder sogar getötet. Darum: Schaff en Sie sich keinen Mähroboter an. Und wenn Sie schon einen haben, so lassen Sie ihn bitte nur tagsüber laufen!

 

Die meisten Mähroboter

erkennen weder Kleintiere

wie Igel oder Kröten

noch ausgestreckte Hände

oder Füße

 

 

Übrigens: Die Stiftung Warentest sieht auch den Menschen durch den stillen Mäher gefährdet, weil die Geräte nicht sicher genug sind. Tests mit Erwachsenen- und Kinderprüffüßen und -armen kamen zu einem eindeutigen Ergebnis: Ausgestreckte Hände erkennt kein Rasenroboter als Hindernis. Und somit auch keine krabbelnden Kinder. Was unter die Geräte passt, wird angemäht. Es fehlen immer noch Schutzmechanismen, welche die Gefahren für Menschen und Tiere zuverlässig verhindern.

 

Bildunterschriften:

 

1          Ein Mähroboter bei der Arbeit. (Thomas Rödl,LBV)

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2          Dieser Igel wurde zum Mähroboter-Opfer. (Tierschutzverein München e.V.)

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3          Lassen Sie Ihren Mähroboter nicht unbeaufsichtigt. Igel und andere kleine am Boden lebende Tiere können durch ihn verletzt werden.

(Martina Gehret)

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Vogelschutz Magazin Ausgabe 1/2019

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